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Viel gearbeitet aber nicht gut?

Autor: Aaron | Datum: 27 November 2015, 18:31 | 1 Kommentare

Freitag Nachmittag. Völlig gerädert von der letzten Woche sitze ich im Taxi nach Bafoussam zu Lina (einer anderen Freiwilligen), bei der ich das Wochenende verbringen werde :) Josi muss (hoffentlich das letze Mal!) nach Yaounde um sich einen Einreisestempel für ihr Visum zu besorgen. Sie sitzt neben mir und während wir uns Bafoussam nähern beginnt die Anspannung zu wachsen, da sie bisher noch keinen Reisepass hat und dieser in Bafoussam beim DHL Shop liegt. Kein Problem oder? Nun ja kurz vor Bafoussam ist eine Polizeikontrolle und wir beide beten, dass wir nicht kontrolliert werden. Meter um Meter steigt die Spannung und dann kommt die Stadt immer näher und Josi schließt die Augen und flüstert: "Sag mir wenn wir durch sind." Dann kommt der Kontrollpunkt in Sicht und ich halte tatsächlich die Luft an...Meter um Meter schieben wir uns voran (die Zeit scheint irgendwie langsamer zu laufen!) und dann sind wir vorbei!!! Ich stubse Josi an doch sie macht die Augen nicht auf. "Wir sind vorbei!" sage ich und uns beiden fällt ein Stein vom Herzen!

Nun muss nur noch der Pass da sein... Wie gesagt, eigentlich sollte der durch DHL Express schnell zugestellt werden, aber da es nur in Bafoussam eine DHL Station gibt und diese Station keine Telefonnummer von Josi hatte, hilft auch die Poststation in Baham nicht viel weiter... Und als wir dann endlich ein DHL Schild vor uns sehen und als ich dann frage ob ein Paket von Josi Keller angekommen ist, hält sie dann auch schon den Reisepass in ihren Händen! (Der Anfang einer Glückssträne?) Wir treffen uns mit Lina vor einem Supermarkt und sie kauft Kekse (eine echte Rarität) und dann fahren wir nach zu Lina nach Hause, essen Nudeln mit Ei und schauen einen Film: V wie Vendetta. Danach sinke ich erschöpft ins Bett und denke was für eine Woche!?

Wir haben nämlich am Dienstag und am Donnerstag auf dem Feld mitgearbeitet (Landwirtschaftsprojekt des AHP2V) und "haricots" (Bohnen) geerntet: Foumbot- der Ort wo das Feld liegt- liegt 600 Höhenmeter tiefer als Baham und die Sonne brennt den ganzen Tag in dieses Tal. Doch als ich mich daran gewöhnt hatte war die Sonne das geringste Problem ;) Am Dienstag haben wir mit den "haricots noir" (schwarzen Bohnen) angefangen, nachdem wir um 5 Uhr aufgestanden sind um in den 35 km entfernten Ort zu fahren. Das schlichte Herausziehen der Stile, an denen die "haricots" hängen ist nicht anstrengend, aber wir alle stehen 3 Stunden gebückt und pflücken diese Stile - eine echte Qual für den Rücken! Gut, dass wir vorher gut gefrühstückt hatten (Ein Pain mit gezuckertem Zitronentee)! So arbeitet man Feldlinie um Feldlinie ab und irgendwann hört man auch das Zählen auf und die Gedanken ruhen tatsächlich vollkommen. Irgendwann beschließt Pére Georges, dass es Zeit zum Essen ist und es gibt "Plantaine melangé" mit sehr viel "Piment" und mittlerweile scheine ich mich an die Schärfe gewöhnen :D  Dann nach einer guten Stunde Mittagspause, in der ich ein kleines Nickerchen eingelegt habe, geht es weiter. Die geplückten Stängel liegen auf Haufen in der Sonne und nach und nach sammeln wir diese Haufen ein und legen sie auf eine große Plane. Dann bekommt jeder einen Stock in die Hand und dann werden die Stängel verprügelt, damit die Bohnen sich aus ihren Schoten lösen (auf französisch: "on tapes les haricots!"). Irgendwann kommt dan Poulette (eine der Küchenfrauen) und fragt wer mit ihr Patate suchen kommt. Ich schnappe mir sofort eine Schaufel und gehe mit ihr und wir gehen zu einem Teil des Feldes, der über und über mit Mannhohem Gras bedeckt ist. Sie zeigt mir, dass unter dem Gras lange, nicht ganz fingerdicke grüne Stängel über den Boden wachsen. Denen muss ich dann folgen (währenddessen das Gras bekämpfen, die ihr bestes tun um mich zu nerven ;) ) und wenn diese Patatestängel dann im Boden verschwinden habe ich ein "Patatenest" gefunden und dann grabe ich sie vorsichtig aus. Tja so ist das vorgesehen, aber ich köpfe leider meine ersten Patate, weil ich nicht vorsichtig genug gegraben habe Innocent Wenn mir der Rücken vom haricots ernten schom wehgetan hat dann ist der Schmerz entweder weg oder wir so immens von einem Schmerz im unteren Rücken überlagert, dass ich mich erstmal hinsetzen muss ;) 1 1/2 Studen harte Arbeit und ich habe eine Schubkarre Patate gerntet und Poulette einen Sack in dem mindestens das doppelte meine Mege drin ist! Anschließend noch ein bisschen Feuerholz schleppen und dann das Ergebnis unserer Arbeit betrachten: 1 1/2 Säcke Patate,  3 1/2 Säcke haricots noir und einige Stauden Plantaine. Monsier Georges freut sich immer total, dass Josi so gut im Garten und auf dem Feld arbeitet, da das für Mädchen doch eher ungewöhnlich ist. Das ist toll und Josi freut sich jedes Mal. Nur es gibt ein kleines Manko ;) Während Josi ihr ganzes Leben auf dem Feld mitgearbeitet hat, bin ich eher unerfahren, arbeite aber genauso gerne und annähernd so viel wie sie. Das sie in der Hinsicht besser ist ist kein Ding, aber Monsieur Georges sagt ihr immer, das sie gut gearbeitet hat und bei mir ist das Arbeiten auf dem Feld normal und ein bisschen im Scherz sagt er dann: "Tu n'a pas bien travaillé!" Irgendwie macht mich das grummelig, weil ich mich sehr anstrenge und ich finde das ich nicht schlecht gearbeitet habe... Ausgepowert und müde begeben wir uns auf den Weg nach Hause. Der Pickup den unser Chef gekauft hat, besitzt eine Ladefläche und immer wenn Josi und ich zum Feld fahren stehen wir auf dieser Ladefläche und lassen uns kalten Wind und roten Staub um die Nase wehen! Ein supercooles Gefühl und immer ein Erlebnis nur gibt es eine Pflicht: GUT FESTHALTEN! Denn die Schlaglöcher sind nicht zu unterschätzen :) 

Der Mittwoch ist ein Schleier der Müdigkeit und von weiteren Diskussionen um meine verrichtete Arbeit geprägt und als wir am Donnerstag losfahren um erneut auf dem Feld zu arbeiten, fallen mir schon im Pickup die Augen zu. Heute, am Donnerstag, sind die "haricot rouge" dran, aber nach 3 Stunden Arbeit in der prallen Sonne (die definitiv heißer brennt als am Dienstag) müssen wir feststellen, das die Ernte enttäuschend ist... Am Nachmittag, als wir fertig sind, ist es nur ein Sack, der nicht mal besonders voll ist. Erschöpft und nicht besonders erfolgreich ziehen wir von dannen und die Fahrt auf der Ladefläche entschädigt in gewisser Weise für den nicht erlangten Erfolg einer guten Ernte. Am Tag darauf kommt Monsieur Georges zur Arbeit und lässt sich total ermattet auf eine Bank fallen. Er guckt mich an und sagt: "Hier tu a beaucoup travaillé!" (Gestern hast du viel gearbeitet!) Ich antworte etwas schroff auf Französisch: "Ja viel gearbeitet habe ich, aber gut gearbeitet habe ich anscheinend wieder nicht oder?" Erst guckt er ein bisschen verwirrt und dann sagt er lachend: "Oki jetzt kannst du auch schon mit der Französischen Sprache spielen!? Sehr gut!!"

Am Samstag, als Josi nach Yaounde aufgebrochen ist, machen sich Lina und ich zu einem Kratersee nahe Bafoussam auf. Nach einer Motofahrt von 2000 FCFA kommen wir in einen kleinen Ort und laufen bestimmt eine dreiviertel Stunde lang über einen traumhaften Pfad der sich an einem Hügel vorbeiwindet und durch Felder mit einzelnen kleinen Häusern und Bananen- und Plantainepflanzen führt. Nach einiger Zeit kommen wir an einem Baum mit einem genialen Sitzast vorbei und ich versuche sofort draufzuklettern, doch das gestaltet sich etwas kompliziert...(siehe Album zu diesem Eintrag) Auch Lina versucht es und mit ein bisschen Unterstützung schafft sie es auf einen Ast! Jedoch leider nicht unseren Favoriten und so brechen wir nach einem kurzen Stop unverrichteter Dinge wieder auf. Die Sonne scheint, wir unterhalten uns sehr gut und plötzlich stehen wir an einer Treppe, die sich an der Kraterwand nach unten windet und am Ende dieser Treppe stehen wir an einer spiegelglatten Wasserfläche, die ruhig im begrünten Krater liegt. Eine Weile sitzen wir auf einem Baumstamm und genießen unser mitgebrachtes Essen und die entspannende Ruhe :) Ein Ausflug, der mir viel Kraft und Ruhe gegeben hat und bei dem ich wieder mal ein super intensives Gespräch geführt habe!

Ich freue mich wieder auf die Kinder, die ich, da Josi nicht da ist, jetzt für 3 Tage alleine unterrichten werde :)

Euch einen schönen Sonntagabend noch!

 

 

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Kommentare

  1. 1. Anni  |  08 Dezember 2015, 21:35

    Lass dich nicht ärgern, die finden bestimmt, dass du super arbeitest, nur denken die, dass das normal für einen kräftigen Jungen ist, und loben dann lieber das Mädel :) Denk immer daran, dass es auch Menschlein gibt, die deine Arbeit schätzen, auch wenn sie es vielleicht nicht immer zeigen.
    So jetzt erstmal PHOTOOOOOS gucken! *-*

 

 

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